THE CREW – Folge 783 Martin H.


Unsere Crewmitglieder legen zum Teil einen immensen Anreiseweg zurück, um in Glaubitz zu einem Rädchen im System zu werden :-) Einer von denen ist Martin. Dass er überhaupt mit dem BTF-Virus infiziert wurde, verdankt er Bocky (Vorsicht: Virenschleuder!), der im Rhein-Main-Gebiet vorbildliche Propagandaarbeit leistet und alle zwangsverpflichtet, die nicht bei 3 auf den Bäumen sind. Seit vielen Jahren wird so der Gästetross aus dem Südwesten größer und größer. Inzwischen zeichnet sich Martin für unsere Videotrailer verantwortlich und es hat ihn an den Bodensee verschlagen (Hey Basti, da entwickelt sich doch ein neuer Hotspot!). Dort schwelgt er in Erinnerungen an den Geschmack eines kühl erfrischenden Pfefferminzlikörs oder den ersten Feine Sahne Auftritt, bei dem die Rostocker den Openerslot inne hatten, ihr Set direkt vor der Bühne aufbauten und Monchi das barfüßige Erdferkel mimte. Seit 2010 ist nicht nur bei den Jungs von der Küste ganz viel passiert. Martin möchten wir euch vorstellen, weil er einen der ersten Videochannels startete, die sich dem Thema Punk widmeten. Los geht’s!

BTF: Du hast mit Kesselpunks einen Videokanal gestartet und für den gut 30 Episoden produziert. Das Handwerk hast du als Journalist richtig gelernt. Inzwischen arbeitest du für den SWR und bleibst dem Medium (nicht inhaltlich, aber handwerklich) treu. Punk lebt u. a. von Unbekümmertheit oder Dilettantismus. Wie verträgt sich das?
MH: Für mich war bei Punk immer der DIY-Gedanke spannend. Also, nicht warten, bis es jemand anderes macht, sondern selber machen. Ob Konzert organisieren, Band aufziehen oder sonst wie Projekte wie Fanzines oder politische Aktionen organisieren. Aber bei all dem DIY-Gedanken will ich trotzdem, dass es am Ende cool wird und ich auch dahinter stehen kann. Und deshalb war für mich wichtig, dass es gut aussieht und auch Ton und Licht stimmen. Klar bedeutet für viele Punk auch: machen, auch wenns nicht so geil aussieht und gemacht ist. Auf den Inhalt kommts ja am Ende an. Aber auch als Leser/Konsument will ich ja gut gemachte Sachen lesen/anschauen. Fanzines wie der Punkerknacker oder das Ox sind ja auch schick und in Farbe. Und das Back To Future legt auch Wert auf guten Sound, statt schrottigen Proberaum-Lautsprecher. Deshalb passt das für mich schon zusammen, professionell zu arbeiten und gleichzeitig den DIY-Spirit zu leben. Ich hab ja immer alles alleine, bzw. mit Hilfe von wenigen Freunden gemacht.

BTF: Allerdings liegt der Kanal nun gut 3 Jahre brach. Rückblickend – was war der Grund, den Kanal zu starten und was führte dazu, ihn auf Eis zu legen?
MH: Ich hab den Kanal gestartet, weil es sowas damals nicht gab und meiner Meinung nach auch bis heute für Punk/Hardcore zu wenig gibt. Inzwischen machen auch mehrere Fanzines ganz coolen Video-Content, aber damals gabs nur mich und fast zeitgleich Rilrec TV, die einen etwas anderen Ansatz gewählt haben. Ich wollte damals sowas wie ein Zine auf Youtube machen. Also nicht nur Musikvideos, sondern auch Besprechungen, Interviews, Politik und eben coolen Inhalt bieten. Oder auch mal Quatschvideos. Das kam damals auch sehr gut an. Ich hab super Feedback bekommen. War aber auch sau viel Arbeit. Denn so ein Video dreht man erst relativ aufwändig, dann muss man noch einige Zeit im Schnitt verbringen und das hat mir am Ende auch das Genick gebrochen. Ich hab damals kurz vor der Geburt meiner Tochter angefangen mit Kesselpunks. Und den Kanal ein Jahr volle Power durchgezogen, aber je älter meine Tochter wurde, desto mehr haben sich die Prioritäten verschoben. Als später noch mein kleiner Sohn dazukam, war klar, dass ich das erst mal runterfahre. Aber ich lass alles online und hab eigentlich immer noch Bock. Nur eben keine Zeit mehr. Aber vielleicht fang ich mal wieder an. Mal sehn.

BTF: Podcasts gibt es inzwischen beinahe wie Sand am Meer. Kennst du vergleichbare Projekte aus dem deutschsprachigem Raum?
MH: Podcast ist ja nur für die Ohren. Da empfehle ich natürlich sehr gern den Polytox Podcast von Falk Fatal. Was Video-Content angeht, machen die Kollegen von Away From Life ganz coole Interviews. Aber da gibts inzwischen einiges.

BTF: Welchen Tipp würdest du Leuten geben, die sich in den Kopf gesetzt haben, ein ähnliches Format aufzuziehen?
MH: Unbedingt machen! Es ist heute so einfach wie nie. Die Technik ist günstig. Jedes Handy hat heute 'ne gute Kamera, mit der man schon viel machen kann. Licht und Ton kosten auch nicht die Welt. Wie man schneidet, etc. kann man bei Youtube lernen. Also einfach ausprobieren. Es kann ja nur schiefgehen. Und wenns kacke wird, halt nicht veröffentlichen... ABER: es ist viel Arbeit. Also seid gewarnt! Macht aber auch echt Spaß!