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Bericht #1 zum Back-To-Future 2005
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Die Meinung der Chefdenker.de:
Wow! Ein verdammt gut beworbenes Festival: In jeder Gazette eine Anzeige und auf jedem Scheißhaus von Köln bis nach Buxtehude ein Flyer!
Fast schon bessere Werbung als das Force Attack! Und wir kleinen Chefscheißer mittendrin. Aber erstmal sieben Stunden Fahrt abreißen, yeha,
die der Frank aber lässig alleine durchfährt, altes Truckerherz, aber schon komisch wie einem so eine scheißlange Fahrt irgendwann ganz
normal vorkommt. Könnte aber unter Umständen daran liegen, dass wir dieses Mal tatsächlich auch schon mal was anderes hören als DIE
PARASITEN, HAGBARD CELINE, DIE SUPERFREUNDE und KING KOOL SAVAS! Aber wir sind uns einig: Andere Bands als eben genannte sind total überflüssig!
Jau, inmitten vom absoluten Nichts, ähnlich wie Morsbach, ist das Festivalgelände hochgezogen worden, und der Platz vor der Bühne ist so
ein Viertel gefüllt mit vielen Oi-Jungs und ganz vielen Nietenjacken-Stachelpunkern. Unsere TRASH 2001 Labelkollegen THE NEGATIVES aus Schweden
braten grade ihren Oilastigen Pank runter, und Backstage traben die überaus grandiosen LOKALMATADORE an. Ich frage den Sänger Fish ob ich denn
vor Ehrfurcht im Staub versinken darf, oder ob es reicht wenn ich einfach stehen bleibe, und er: „Du kannst mir auch den Pillemann lutschen!“ Also der
hat mal die Weisheit mit Löffeln gefressen! Bringt wahrscheinlich datt Leben in Pott so mitt sich!
Ja, natürlich haben die brillanten LOKALMATADORE mal wieder keinen eigenen Backline-Kram mit und beschränken sich in ihrer Konzertvorbereitung
wie gehabt aufs Zuschütten von sich sellba, wo vor allem der Bassist damit glänzt, das er schon zu früher Stunde keinen verständlichen
Satz mehr raus bringt und sogar Wasser süppeln muss! Ist dem Gitarristen aber egal, der kippt fleißig seinen Wein rein und erzählt das
er kein Bier mehr trinkt damit er nicht zu fett wird. Das klingt ja logisch. Nebenbei könnte der Typ mit seinen 45 Jahren aufm Buckel (!) locker
mein Vater sein. Respekt. Damit hat er sogar den DIRTY DEEDS 79/MOLOTOW SODA-Kollegen in Punkto „Alte Männer auf der Punkrockbühne“ hinter
sich gelassen! Mein Idol! Keine Frage!
Tja, heute, beim 71. CHEFOMATEN-Konzert, hat der Matze seinen vorerst letzten Schlagwerkschwingereinsatz, weil der ja bis Ende des Jahres durch Asien
(!), das dreckig stinkende Amerika und die herrlichen Fidschiinseln (!) reisen muss, wo ich nicht mal sauer wäre, wenn da mal eine Karte kommen
würde wo draufsteht „Ey Kollege, is geil hier, ich komm nich mehr, kannst meine Becken haben, tschööj, Matze.“
Aber er wird ja glorreich vom Zipper und vom W$K-Caddy vertreten, also alles im Lack. Elf Konzerte bis Ende des Jahres hat der Clausomat auch schon
gebucht, alles super!
Ja, das geile hier ist, das die Bands auf der Hauptbühne und im Zelt abwechselnd spielen, so dass es weder Sound- noch Zeitüberschneidungen
gibt. Sehr geil! Außerdem haben wir so auf der Hauptbühne ewig lange Zeit zum aufbauen und Bier holen, und der Sound steht wie eine Eins,
und das in Rekordzeit, echt perfekt!
Also fangen wir halt mal an. Trotz viel Panks und Oijungs, die damit ja meistens nicht sehr viel anfangen können, gibt es ordentlich Rock und
sogar Roll, so mit Gitarren hoch und was wir halt sonst so machen damit man auch mal zur Bühne gucken kann und nicht immer nur in sein Bier
starren muss. Direkt füllt sich auch der Platz vor der Bühne mit vielleicht dreihundert Leuten, klasse, so macht das natürlich einen
Riesenspaß! In der ersten Reihe Typen mit Turbojugendjacken und superstramme Pogotypen die dauernd auf die Fresse fallen, und überall werden
die Texte mit gegrölt, ich werd bescheuert! In den Ansagen erzählt der Claus was davon ob denn jemand mit dem Pferd da ist, weil ist ja ein
Reitplatz nebenan. Oder irgendwie sowas. Jedenfalls immer wieder besser als gebrüllte „yeah yeah seid ihr gut drauf ich will euch hören“-
Scheiße! Also da herrscht allerorts Einigkeit!
Die CHURCH OF CONFIDENCE-Jungs sind auch da, und ich zeige Zip Schlitzer (ehemals bei der TERRORGRUPPE) mal eben so, dass man auch ohne
Schlangenlederstiefel, wie er sie trägt, unglaublich cool aussehen kann! Kannste mal sehen. Ich glaube er ist beeindruckt! Ganz bestimmt.
Tja, alles absolut spaßig, und was könnte man denn noch so machen? Ob die Box hier hinten auf der Bühne umkippt wenn ich draufklettere?
Mal sehen. Frank, der sich seit der Ankunft anständig abschädelt um seinen Feierabend zu genießen, muss sich mal kurz von seinem Bier
trennen und meine Gitarre halten, ich mache Kolleges kleine Turnstunde und kraxele auf diese schmale, verdammt wacklige Box, Frank reicht mir die
Gitarre hoch und wir machen weiter Krach. Ich rufe Frank zu mir, damit der diese scheiß Wackelbox unter mir festhält, weil man hier oben echt
richtig Schiss kriegen kann, aber keine Chance, der ist in sein Bier vertieft, der kann sich um so Kleinigkeiten jetzt nicht kümmern. Hat ja auch
nur zwei Hände!
Joh, da hab ich Verständnis für und versuche einfach mich nicht zu bewegen und dabei lässig zu gucken, na, hoffentlich filmt keiner.
Balancier, wackel, rote Nase, Einrad. Aber das Tappingsolo dabei mach ich klar. Klar. Endlich geschafft, wieder runter, scheiß Idee!
Unsere 45 Minuten gehen vorbei wie nix, schade, Kram abbauen, einladen und Prost. Bis zu den LOKALMATADOREN sollte man schon so brack sein wie die Band,
Ehrensache. Aber vorher noch CHURCH OF CONFIDENCE, drei Leute, Zip wie gesagt am Bass, und der Besitzer vom legendären WILD AT HEART in Berlin
singt und spielt Gitarre. Aber nur nebenbei, in der Hauptsache versucht er einfach nur cool auszusehen: Lederjacke, Ölhaare nach hinten gelegt,
Stiefel und Sonnenbrille! Die Flammen auf der hochglanzpolierten Gitarre sind nur Formsache! Der Oldschool-Flammenrock, den die da von sich geben, ist
ziemlich cool, wird aber von den Irostacheljungs natürlich nur veralbert indem die die Frisur nachäffen und die überaus coolen Posen
belachen. Naja. Da spiele ich auch gerne noch mal Fußknöpfchen-Richtigrücker, als der Sänger kurz ausrutscht und sich beinahe auf
die Fresse legt, aber sich natürlich nichts anmerken lässt. Ja, ein Lied widmet er noch seiner Frau, was ja eigentlich verboten ist, aber was
da heißt: „I really like your style“. Verdammt, das ist doch mal romantisch, was?
Aber warum der die Sonnebrille bei der Hälfte des Konzerts auszieht kann ich einfach nicht verstehen! Will ich auch gar nicht.
Jedenfalls hat Jazz heute mal eine kurze Schicht am Merchstand, aber bringt trotzdem amtlich Chefkram unters Volk, da freut man sich als Band, juchuu,
und außerdem kann sie dann auch ausnahmsweise mal recht früh anfangen ordentlich ein paar Bier zu trinken.
Ja, saufen, der Platz ist rappelvoll mit Leuten, geiles Festival inklusive kotzenden Typen und allem was dazugehört, und dann räumen die
LOKALMATADORE tierisch ab. Fish mit roter Nase, der Basser kann tatsächlich noch stehen und seine drei Tönchen da klarmachen, ich lass dir den
Kochtopf lass du mir mein Bier, und ein Becher mehr davon und ich sähe mich doch tatsächlich gezwungen mich auszuziehen und mein
nackt-über-die-Bühne-rennen-Debut zu geben. Aber noch mal Glück gehabt.
Egal, die Heimatstadtkollegen DUMBELL spielen auch noch und rocken den letzten Schnapsleichen Nachts die Schädeldecke runter, und wir fahren in eine
1A Pension, wo uns die saunetten Veranstalter liebevoll den Weg in die Hajabettchen weisen. Perfekt! Und als Tüpfelchen auf dem i gibt es am Morgen
ein Frühstück von Gottes Gnaden, so mit Buffet und was weiß ich nicht noch. Sogar Kaffee! Heiß! Ich werd wahnsinnig! Anderorts
undenkbar! Also die wissen wie man seine Gäste behandelt! Astreines Festival, super Sound vor und auf der Bühne, hat man auch nicht immer,
erstklassige Bewirtung, traumhaft! Glaubitz Back to future-Festival! Gerne wieder! Auch wenn wir, wie schon so oft gesagt, mit Oi eigentlich gar nichts
am Hut haben.
Und ab jetzt ist der Matze ein halbes Jahr weg. Joh, bis die Tage denn, ne? Prost! KOLLEGE 07/05
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